Monatsbericht Juni

Obwohl Astronomen die dunkle Jahreszeit für ihr Hobby besser gebrauchen können, freuen sie sich natürlich auch über warme und sonnige Tage. Doch ab Monatsende werden die Tage wieder kürzer, da die Sommersonnenwende erreicht wird.

Am Monatsersten beträgt die Tageslänge (ohne Dämmerungszeiten) im norddeutschen Peine 0 Stunden und 0 Minuten, am Monatsletzten dann 0 Stunden und 0 Minuten.

Im Monat mit der längsten Tagesdauer sind die Nächte besonders kurz. Zwar kann man ab ca. 22 Uhr die ersten Sterne erkennen, doch Abend- und Morgendämmerung gehen nahezu fließend ineinander über. Selbst um Mitternacht ist es noch ein wenig hell. Für Astronomen bedeutet das die vorübergehende Verlegung auf andere Gebiete, wie etwa die Sonnenbeobachtung.

Im Osten kann man die Sternbilder des Sommerdreiecks erkennen, deren Eckpunkte die drei Sterne Wega (Sternbild Leier), Deneb (Sternbild Schwan) und Atair (Sternbild Adler) bilden.

Südlich des Sternbildes Leier zeigt sich Herkules mit einem der schönsten Kugelsternhaufen am nördlichen Himmelszelt: M13. Er ist rund 23.000 Lichtjahre von uns entfernt und besteht aus ca. einer halben Million Einzelsternen, die durch ihre Gravitation locker beisammengehalten werden.

Der Kleine Wagen mit dem Polarstern ist durch die hellen Nächte nur sehr schwer zu erkennen. Eine Hilfe bei der Suche ist das Sternbild Großer Wagen. Durch eine rund fünffache Verlängerung seiner hinteren Kastensterne stößt man automatisch auf Polaris, dem scheinbaren Himmelsdrehpunkt. Während sich die Erde weiterdreht und alle anderen Sterne stetig weiterwandern, scheint dieser Stern immer an seiner Position stehen zu bleiben. Der Polarstern eignet sich in sternklaren Nächten wunderbar zur Orientierung, da eine von ihm senkrecht nach unten gedachte Linie genau in Richtung Norden zeigt.

Leider lässt sich die Milchstraße in den Sommermonaten nicht so gut beobachten. Zu den ohnehin schon hellen Nächten kommen noch die störenden Lichter der Städte, die mittlerweile dafür verantwortlich sind, dass die meisten Menschen in Deutschland die Milchstraße nur noch von Fotos oder aus Dokumentarfilmen kennen. Wenn man sie dann draußen vor den Städten doch einmal unerwartet zu Gesicht bekommt, kann es einem regelrecht die Sprache verschlagen.

Mir erging es jedenfalls so, als ich im August 1999 zur Beobachtung der Sonnenfinsternis nach Österreich fuhr. Als ich spät in der Nacht auf dem Gahberg am Attersee ankam und aus dem Auto ausstieg, sah ich ein strahlend helles und von dunklen Flecken durchzogenes Band, welches sich quer über den Himmel erstreckte. Der Anblick war so phänomenal, dass ich die halbe Nacht vor dem Zelt lag, um den Himmel zu betrachten. In der Peiner Innenstadt ist so ein Anblick leider absolut unmöglich.
© 1996-2019 Gerd Schiefer